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Temptation X
Törns zum Mitsegeln

Warnemünder Woche 2007 - ein Törnbericht

 

Gute Traditionen soll man pflegen, heißt es. So nahm das Team Schotbruch auch in diesem Jahr mit seinem Vereinsschiff einer X-119 an diversen Seekreuzer-Regatten im Rahmen der Warnemünder Woche teil.

 

Den Auftakt bildete die Kühlungsborn-Regatta, bestehend aus jeweils einer Wettfahrt am 7. und 8. Juli auf einem durch die vorhandene Fahrwasserbetonnung gebildeten Dreieckskurs.Leider zeigte sich kurz nach dem Start am Samstag bei einer aufregenden Kreuz hoch am Wind, daß unser Mast offensichtlich bei 20 Kn True Wind noch Trimmdefizite aufwies. Aus Sicherheitsgründen wurde die Wettfahrt abgebrochen und nach einer kleinen Bastelpause im Alten Strom zu Warnemünde ca. 3 Stunden verspätet und leider außerhalb der Wertung nachgeholt. Allerdings mit einem deutlich positiverem Gefühl beim Anblick der Mastbiegekurve...

 

Am Sonntag klappte dann bei der zweiten Wettfahrt zurück nach Warnemünde alles Bestens. Bei 15 bis 20 Kn True Wind aus West mußten wir zwar viele Schiffe vor uns über die Startlinie ziehen lassen, aber einige blieben dann doch im Heckwasser zurück.

 

Der Montag wurde genutzt, um das Schiff auf die Langstreckenregatta "Rund Bornholm" vor zu bereiten. Neben den obligatorischen Kontroll- und Reparaturarbeiten an Segeln und Rigg haben wir unseren schönen roten Rumpf auch mit weißen Werbelogos der Firma BMS beklebt, die uns für die Regatten eine komplette Garnitur Ölzeug überreichte. Den Fototermin mit unserer neu "gebrandeten" BMS-Temptation im Abendlicht konnten wir allerdings nicht wahrnehmen, da unser Fotograf (Martin Wenzel) mit Karsten im Gepäck bereits am Nachmittag nach Dresden aufbrach. Leider mußten wir wegen einer Sehnenverletzung  von Karsten somit auf ein weiteres Crewmitglied verzichten, denn Martin hatte bereits am Sonntag seine Teilnahme abgesagt. Damit waren es nur noch 7 tapfere Schotbrüchler bei der traditionellen Rundung von Bornholm. Nichts desto Trotz hatten wir am Montag Abend 21:31 und 50 sec. unseren Start zusammen mit einer Luffe 40.04, der Luffti`kus. In Sichtweite segelten beide Schiffe unter Spi in den wunderbaren Sonnenuntergang. Erst als das Leuchtfeuer von Dornbusch bereits querab war, wurde der Spinnaker gegen die GI getauscht um weiter mit knapp 10 Kn Fahrt der Nordspitze von Bornholm entgegen zu düsen.

Nach weiteren Vorsegelwechseln standen am nächsten Morgen wieder die GI und das Groß in voller Pracht, da nur noch ein leichtes Lüftchen aus NW wehte. Zudem hatten wir über Nacht neue Nachbarn gewonnen, die sich mit der Rundung von Bornholms Nordspitze als eine Luffe 43, eine Nissen 11,5 sowie die J109 (Brinkmann u Partner) vorstellten. Gemeinsam zogen wir auf Halbwindkurs bis zur Südspitze Bornholms und trafen dabei einige Yachten, die sich für eine Rundung der Insel gegen den Uhrzeigersinn entschieden hatten.

Mit Beginn des Dienstagabends verlor sich unser Gefolge zusehens auf Amwind-Kreuzschlägen in der aufziehenden Nacht. Der direkte Kurs gen Heimat blieb uns bei leichten bis mittleren Winden aus WSW leider verwehrt. Die zweite Regattanacht brachte uns noch einige Winddreher die sämtliche Kursberechnungen des Abends zunichte machten sowie ein kleines Funkintermezzo mit einem auf Kollisionskurs liegenden Frachter. Insgesamt war es jedoch eine laue Sommernacht bei vollem Groß und GII, die uns zum Sonnenaufgang den Anblick von Kap Arkona bescherte. Mit einer ca. zweistündigen Gewitterpassage unter ausgiebiger Klarwasserspülung konnten wir ab 7 Uhr morgens bei auffrischenden Winden relativ dicht unter Land unbehelligt weiter gen Rostock segeln. Dabei hatten wir angesichts bevorstehender Schauer- und Gewitterböen reichlich Gelegenheit, diverse Vorsegel und Reffeinrichtungen der TX auszuprobieren.

Ab den Mittagsstunden des Mittwochs segelten wir bei 17-20 Kn Wind (in Böen bis 24 Kn) vor der Küste Zingsts zur nächsten Bahnmarke Darsser Ort. In weiter Entfernung sahen wir seewärts die Tutima wie einen fliegenden Holländer westwärts eilen. Wir begnügten uns mit 5-7 Kn Speed und Reff 2 im Groß. Gegen 18 Uhr erreichten wir doch etwas aufgeweicht und müde vom kreuzen die Nordspitze des Darss und sahen uns nach Passieren der westlichen Untiefentonne mit 20 Kn Wind gegenan und einer kurzen steilen Welle von geschätzt 2,5m konfrontiert. Damit hatte so recht keiner von uns gerechnet, so daß wir die nächsten beiden Wellen vierkant (frontal mit kombinierter Flug-Aufprallphase) nahmen und froh waren auf sofort angeordnetem Halbwindkurs noch ein vollständiges Rigg vorzufinden.  Ein solches Glück blieb der ELFIN, einer Dynamic 4000 leider verwehrt, die keine 500m neben uns ihren Mast in diesen Wellen einbüßte. Nach einer kurzen Steuermannsbesprechung im Cockpit hatten wir sodann mit Rücksicht auf Schiff und Crewbefinden beschlossen, keine weiteren 6-8 Stunden gegenan zu kreuzen und liefen ab nach Barhöft, wo wir unser Regattaabenteuer bei nachlassendem Regen in den Abendstunden beendeten. Traurig über den Abbruch aber Froh über trockene Sachen und ein nahezu unversehrtes Schiff bestellten wir ein Taxi  und beschlossen den Abend statt bei Bier in Rostock nun in Stralsund bei Pizza und Rotwein. Einstimmig positiv war dennoch die Stimmung trotz DNF, nervenzehrender Spi-Gänge und anstrengender Kreuzschläge in den letzten Stunden des Rennens. Hoch gelobt wurden auch die neuen Ölzeugjacken von BMS, die trotz horizontalem Wasser für trockene Haut sorgten. Ein Dank an das Team von BMS!

 

Matthias Glück (Wachführer)